Kurznachrichten

Exkursion der Verbandsversammlung zum atomaren Zwischenlager und zum Versuchslabor Mont Terri in der Schweiz

Exkursion der Verbandsversammlung zum atomaren Zwischenlager und zum Versuchslabor Mont Terri in der Schweiz

10 Juli 2017

Ziel der Exkursion war die Besichtigung des zentralen Schweizer Zwischenlagers (ZWILAG) in Würenlingen an der Aare, südlich von Waldshut, in dem die kontrollierte Aufbewahrung und Überwachung sämtlicher atomarer Abfälle der Schweiz zusammengefasst gelagert wird. In Würenlingen werden die Abfälle bis zu ihrer Endlagerung in nationalem Interesse gesammelt, teilweise thermisch behandelt und konditioniert und die Abfallmenge auf ein Minimum reduziert. Hochaktive Abfälle werden aufgrund ihrer Wärmeentwicklung bis zu 40 Jahre zwischengelagert.
Weiterhin besuchte das Gremium das Felslabor von Mont Terri im Kanton Jura, in dem in 300 m Tiefe international an der Tiefenlagerung radioaktiver Stoffe geforscht wird. 14 Organisationen aus 8 Ländern beteiligen sich dort u.a. an Untersuchungen zur Eignung des Opalinustons für die Tiefenlagerung atomarer Abfälle, zu denen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit auch zwei deutsche Institute zählen. Aufgrund seiner besonderen Eignung, z.B. seiner Abdichtungsfähigkeit gegenüber Wassereintritten, wird der Opalinuston als Wirtsgestein für die Tiefenlagerung atomarer Abfälle von der Schweiz bevorzugt. Die Mächtigkeit der zur Einlagerung vorgesehenen Opalinustonschicht beträgt ca. 100 – 110m.  
Ziel der Schweiz ist es, ihre atomaren Abfälle im geologischen Untergrund einzulagern. Beeindruckend für alle Beteiligten war dabei die flächendeckende Vorgehensweise bei der Erkundung geeigneter Gesteinsformationen wie auch die Offenheit, mit der das Beteiligungsverfahren betrieben wird. In einem dreistufigen Auswahlverfahren soll für schwach- bis mittelradioaktive sowie für hochradioaktive Abfälle je ein Tiefenlager eingerichtet werden, eventuell auch ein kombiniertes Lager für beide Abfalltypen.
Die ein sehr breites Spektrum umfassenden Fragen der Verbandsmitglieder konnten von den Schweizer Experten, wie bereits 2011, auch hinsichtlich der Standortauswahl außerordentlich kompetent und präzise beantwortet werden. Am Ende der Standortsuche entscheidet das Parlament und letztendlich die Schweizer Bevölkerung über die Rahmenbewilligung für ein Tiefenlager. Dies soll etwa im Jahr 2030 geschehen. Ab 2050 soll das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zur Verfügung stehen. Ab 2060 soll das Lager für hochradioaktive Abfälle in Betrieb genommen werden. Kontrolliert wird das Verfahren durch eine unabhängige Aufsichtsbehörde über die Kernanlagen in der Schweiz, dem ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat), welches den Betrieb und die Sicherheit der nuklearen Anlagen in der Schweiz sicherstellen soll.
Auf deutscher Seite wird insbesondere die Standortauswahl im grenznahen Bereich zum deutschen Hochrheingebiet kritisiert und die geringe Möglichkeit der Einflussnahme auf die Entscheidungen auf Schweizer Seite.  
Die bei der Exkursion gewonnenen Erkenntnisse und Informationen dienen der Verbandsversammlung als Hintergrundwissen für die nächsten Schritte im Rahmen der Standortsuche in Deutschland.

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