Regionales Biotopverbundsystem

Die Vernetzung von Lebensräumen von Tier- und Pflanzenarten und die Schaffung bzw. der Erhalt von durchgängigen Korridoren für diverse Tierarten ist essentiell, um dem gegenwärtigen gravierenden Verlust an Biodiversität entgegen zu wirken und Wanderungsbewegungen von Arten auch in Zeiten des Klimawandels zu ermöglichen. Zudem müssen der Flächenverlust und die Fragmentierung wertvoller Lebensräume aufgehalten werden. Der Fachplan landesweiter Biotopverbund und der Generalwildwegeplan stellen in Baden-Württemberg wichtige Grundlagen für die Vernetzung von Lebensräumen auf Landesebene dar.

Das Land Baden-Württemberg hat mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz im Sommer 2020 das Ziel festgelegt, dass der Biotopverbund im Offenland bis zum Jahr 2030 auf mindestens 15 % der Landesfläche ausgebaut werden soll (§ 22 Landesnaturschutzgesetz, NatSchG). Den Regionalverbänden obliegt gemäß §22 Abs. 4 NatSchG die Aufgabe, den Biotopverbund durch Festlegungen im Regionalplan planungsrechtlich zu sichern.

In der Region Bodensee-Oberschwaben wurde im Rahmen eines vom Land Baden-Württemberg geförderten Modellprojekts ein methodischer Ansatz zur Entwicklung eines regionalen Biotopverbundsystems entwickelt und räumlich konkretisiert (s.a. Veröffentlichung Naturschutzinfo 2017: https://pd.lubw.de/23947). Die Ergebnisse mündeten 2017 in den Fachbeitrag „Regionaler Biotopverbund für die Region Bodensee-Oberschwaben, Teil 1“ (Teil 2, Teil 3) der Arbeitsgruppe für Tierökologie und Planung J. Trautner. In diesem wurden 7 Biotopverbundsysteme identifiziert. Dieser Fachbeitrag ist, zusammen mit einer 2011 erstellten Landschaftsanalyse und weiteren Gutachten, Konzepten sowie Daten, wesentliche Grundlage für den regionalen Biotopverbund Bodensee-Oberschwaben.

Die Fortschreibung des Regionalplans (ohne Kap. 4.2 Energie) ist mit der öffentlichen Bekanntmachung der Genehmigungserteilung im Staatsanzeiger für Baden-Württemberg am 24.11.2023 rechtskräftig geworden. Hiermit wird der regionale Biotopverbund Bodensee-Oberschwaben mit seinen Festlegungen zur regionalen Freiraumstruktur rechtsverbindlich gesichert. Dies geschieht vor allem über die Vorranggebiete für Naturschutz und Landschaftspflege (Plansatz 3.2.1) und die Vorranggebiete für besondere Waldfunktionen (Plansatz 3.2.2). In diesen Vorranggebieten haben die Belange der Sicherung des Regionalen Biotopverbunds Vorrang vor anderen Raumnutzungen. So ist dort z.B. die Ausweisung von Baugebieten nach Genehmigung des Regionalplans nicht zulässig. Eine ergänzende Funktion für die Erhaltung der biologischen Vielfalt nehmen die Regionalen Grünzüge (Plansatz 3.1.1) und die Grünzäsuren (Plansatz 3.1.2) ein, da sie Gebiete im Freiraum ebenfalls großflächig vor weiterer Bebauung schützen.

Für eine erfolgreiche Vernetzung von Lebensräumen gilt es, den regionalen Biotopverbund umzusetzen und mit Leben zu füllen. Viele Städte und Gemeinden der Region Bodensee-Oberschwaben haben bereits kommunale Biotopverbundplanungen gestartet oder bereiten diese vor. Durch seine planungsrechtliche Sicherung stellt der regionale Biotopverbund Bodensee-Oberschwaben eine hilfreiche und zu beachtende Grundlage und zugleich einen Rahmen für die kommunalen Planungen dar, muss jedoch auf der Ebene der Gemeinden durch vertiefte Untersuchungen konkretisiert und ergänzt werden. Der Maßstab des Regionalplans beträgt 1:50.000 und daher sind viele für den Biotopverbund wertvolle Flächen zu kleinteilig, als dass sie über Festlegungen des Regionalplans gesichert werden könnten. Dies gilt beispielsweise für kleinere Streuobstwiesen. Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben unterstützt die Städte und Gemeinden der Region bei der Erstellung kommunaler Biotopverbundkonzepte. Dies geschieht über einen Austausch mit den Biotopverbundbotschafter/-innen und den Landschaftserhaltungsverbänden der drei Landkreise der Region.

Der regionale Biotopverbund ist aus der der kontinuierlichen Landschaftsrahmenplanung des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben hervorgegangen. Erläuterungen dazu finden sich im Dokument "Der Regionale Biotopverbund Bodensee-Oberschwaben - ein Fachbeitrag der Landschaftsrahmenplanung zur Regionalplanfortschreibung" (Winkelhausen, 02/2022)" unter Downloads am Ende der Seite.

Im Landschaftsrahmenplan, welcher derzeit in Erarbeitung ist, werden regionsspezifische Ziele und Maßnahmen zur Sicherung und Entwicklung des regionalen Biotopverbunds entwickelt und skizziert.

Karten zur Begründung des Regionalen Biotopverbunds im Maßstab von 1:50.000, Stand 31.12.2021 finden Sie auf dieser Seite unten im Download Bereich.

Seit 2014 wird durch den „Regionalen Kompensationspool“ (Reko-GmbH) aktiver Biotopschutz durch Entwicklung von Flächen und Erwerb von Ökopunkten betrieben. Hier sind derzeit 50 Städte und Gemeinden (insgesamt in der Region Bodensee-Oberschwaben: 87 Städte und Gemeinden), alle drei Landkreise der Region sowie der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben als Mitglieder beteiligt. Ziel ist eine gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen (Ökopunkte / Ausgleichsflächen) durch eine regional tätige Gesellschaft auf der Grundlage eines einheitlichen Bewertungsmodells sowie eine ökologisch sinnvolle räumliche Steuerung dieser Maßnahmen.

Im Fachbeitrag „Regionaler Biotopverbund für die Region Bodensee-Oberschwaben“ der Arbeitsgruppe für Tierökologie und Planung J. Trautner (Stand: Dezember 2017) finden sie Steckbriefe mit ersten Hinweisen zu Verbesserungs- und Gestaltungsmaßnahmen zu den einzelnen Landschaftsräumen im Sinne eines funktionsfähigen Biotopverbundes.